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Das erste DDR-Mobiltelefon - das erste funktionierende Mobilfunk-Telefonnetz weltweit

Es ist nicht sehr bekannt geworden, dass in der DDR mit eigener Mobilfunktechnik ein funktionierendes Funktelefonnetz entwickelt wurde und zum Exportschlager wurde.

Das "DDR-Handy" existiert, einschließlich Bedienungsanleitung, noch im privaten Radiomuseum Luckenwalde, welches von Bernd Schmidl geführt wird. Es ist 11 kg schwer und hat die Maße 25 x 26 x 29 cm.

DDR-Handy    Quelle: [57] 16.12.2011, [49] Bernd Settnik

Die genaue Bezeichnung lautete "URTES" und stand für "UHF/VHF-Radio-Telefonie-System" (in anderen Quellen "UHF-Radio-Telefonie-System"). Der liebevolle Codename hierfür war "Blaumeise".

Entwickelt wurde das Gerät unter Leitung des Konstrukteurs Gottfried Schuppang im "VEB Funkwerk Köpenick" und es wurde anschließend auch dort gebaut.
Dadurch wurden sogar die großen internationalen Firmen wie "Motorola", "Telettra" und "CSF-Thomson" ausgestochen. Auch diese steckten zu dieser Zeit noch in den Kinderschuhen.
Gottfried Schuppang wurde 1928 in Kamenz geboren, studierte in Dresden Nachrichtentechnik und leitete viele Jahre die Entwicklungsabteilung des Funkwerkes Berlin-Köpenick.

Die Entwicklung des Gerätes begann etwas "unfreiwillig".

Am 12.09.1979 wurde in Nopaltepec, in der Nähe von Mexiko-City, das größte und modernste Seefunkzentrum Lateinamerikas, gebaut vom "VEB Funkwerk Berlin-Köpenick", bei einem Staatsbesuch Erich Honeckers eingeweiht. Während der Einweihung spricht Honecker mit dem Kapitän des DDR-Handelsschiffs "Freyburg", welches zu dieser Zeit vor Kuba lag. Präsident López Portillo sprach mit dem Kapitän eines mexikanischen Schiffes.
Durch dieses Seefunknetz war Mexiko praktisch für jedes Schiff auf den Weltmeeren erreichbar.

Mexikos Präsident wollte aber auch die Infrastruktur des Landes modernisieren.
Deshalb wurde von den Mexikanern die Frage gestellt ob die DDR in der Lage sei das Land auch fernmeldetechnisch auf den neuesten Stand zu bringen, und zwar mit Funklösungen, Batterien und so, dass alle Telefone im Land erreicht werden können.
Von der Verlegung normaler Überlandleitungen wurde Abstand genommen weil diese Leitungen zu anfällig für die häufigen Erdbeben waren.

Ohne zu zögern versprach dies ein hochrangiger Vertreter des Ministeriums für Elektrotechnik und Elektronik der DDR, obwohl zu diesem Zeitpunkt die DDR noch nicht über derartige Technik verfügte.
Vor diesem Hintergrund wurde im "VEB Funkwerk Köpenick", unter Leitung von Gottfried Schuppang ein konkretes Angebot für ein derartiges Funknetz erarbeitet, ein Lieferpreis errechnet, und den Mexikanern vorgelegt. Diese erteilen daraufhin den Auftrag.

Im Bundesstaat Guerrero sollte innerhalb von 18 Monaten ein Pilotnetz aufgebaut werden.
Dieser Druck entstand, weil zu diesem Zeitpunkt ein neuer Staatsbesuch Honeckers in Mexiko geplant war.

Motivation für Gottfried Schuppang und seinen Techniker (u.a. Günther Neeße und Horst-Dieter Wigankow) war die Aussicht auf einen mehrwöchigen Arbeitsaufenthalt in Acapulco, für DDR-Bürger zu jener Zeit noch unerreichbar. Dafür wurde nicht auf den Feierabend geschaut oder nach Bezahlung von Überstunden gefragt.

Die Technik funktionierte tadellos nach 17 Monaten Entwicklungszeit. Das erste Telefonfunknetz der DDR war fertiggestellt.
Es blieb noch Zeit zur Erprobung in Berlin-Köpenick. Die Basisstation stand Im Funkwerk, die Teilnehmerstationen (Telefone) wurden zu einigen Funkwerk-Mitarbeitern nach Hause gebracht.
Durch Abnahme eines Telefonhörers wurde das Gespräch zur Basisstation gefunkt, von der es ohne hörbare Qualitätsverluste in das normale Telefonnetz eingespeist wurde. Der Angerufene merkte nichts davon, dass nicht ausschließlich über Leitung telefoniert wird. Der Test funktionierte tadellos, mit dem Funktelefon war man in der Lage, sich in das Postnetz der DDR einzuwählen und alle Telefone zu erreichen, egal ob man im Auto saß oder anders unterwegs war.

Im Frühjahr 1981 begann der Aufbau eines Netzes für maximal 120 Teilnehmer in Mexiko. In den Dörfern von Guerrero wurde je ein Telefon installiert. Die Sender hatten eine Leistung von 10 Watt. Damit konnte Entfernungen zur Basisstation von 40 km überbrückt werden. Von dort aus wurden die Gespräche per Richtfunk ins öffentliche Telefonnetz übertragen.
Die Errichtung des Netzes war ein voller Erfolg. Privatanschlüsse ließen sich damit nicht realisieren, dies war zu diesem Zeitpunkt auch nicht beabsichtigt. Die Telefone sollen vor allem für Notfälle dienen und standen deshalb meist bei den Bürgermeistern der jeweiligen Dörfer und dem Gouverneur. Dieser wollte in seinem Auto und in seinem Ferienhaus erreichbar sein.

Am 12.09.1981 nahm Erich Honecker das erste funktionierende Mobiltelefonnetz der DDR in Mexiko in Betrieb. Das Autotelefon des Gouverneurs des Bundesstaates Guerrero, Cervantes Delgado, war praktisch das erste und einzige "DDR-Handy" (diesen Begriff gab es natürlich damals noch nicht!)

Mindestens 6 weitere analoge Mobilfunknetze der DDR folgten: zwei im Mexiko , in Algerien, in Madagaskar, im Jemen und in Mosambik.

Ab 1990 wurde diese Technik auch in auch Berlin von Geschäftskunden genutzt, da noch nicht genügend Festnetzanschlüsse zur Verfügung gestellt werden konnten.

Im Dezember 2011 soll, einer Kurzmitteilung zu Folge, das Mobilfunk-Telefonnetz in Mexiko immer noch funktioniert haben und in Betrieb gewesen sein.

Über dieses Mobiltelefon wurde, unter anderem, in folgenden Medien berichtet:

Weiterhin nicht mehr im Netz:
  • NVA Forum


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Letzte Änderung dieser Seite: 02.01.2017