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Letzte Änderung: 25.7.2010


Die OSW-Story

OSW Auf Grund der in Erfurt und Neuhaus am Rennsteig vorhandenen Telefunkenwerke war im Osten Deutschlands eine gute Grundlage für die Herstellung von Radioröhren nach 1945 vorhanden.

Im Nachkriegsdeutschland herrschten die 11er-Röhren der harmonischen Serie vor und dies sollte auch bis ca. 1948/49 so bleiben. Aber im Jahr 1949 überraschte das Oberspreewerk Berlin (OSW) die Fachwelt mit einer eigentlich veralteten Technik. Man begann mit der Großserienproduktion von Oktalröhren. Innerhalb von anderthalb Jahren entwickelte und fertigte man verschiedene Röhrentypen, welche fast alle Bereiche für die Radiofertigung abdeckten. Wie kam es nun zu dieser seltsamen Entwicklung?

Die Antwort liegt bei der russischen Besatzungsmacht. Während des 2. Weltkrieges lieferten die USA in großem Umfang militärische und andere Güter in die Sowjetunion. Dabei waren auch viele Funk- und Nachrichtengeräte. Ähnlich wie in Japan wurde diese Geräte von russischen Spezialisten auseinandergeschraubt, nachgebaut oder „nachempfunden". So kam die US- oder Amerika-Röhre in die Sowjetunion.

Die berühmte deutsche Röhre RV 12 P 2000 wurde in modifizierter Form übrigens auch in der Sowjetunion bis mindestens Mitte der 60er Jahre nachgebaut.

Da Ende der 40er Jahre immer noch Reparationsleistungen in Richtung Osten gingen, sollte auch ein Großsuper hierfür gefertigt werden. Für die Bestückung dieses Gerätes wurden in Berlin die Oktalröhren entwickelt. Leider ist über die Realisierung dieses Gerätes nichts bekannt geworden.

Hinzu kam, dass im Sachsenwerk Radeberg eine große Anzahl von Fernsehgräten als Reparationslieferungen gebaut werden sollten. Speziell hierfür wurde bei OSW eine Hochspannungsgleichrichterröhre entwickelt.

In der DDR fand die neue Röhre nur wenig Anhänger bei den Radioherstellern. Nur in wenigen Empfängern der Firmen Blohm in Plauen, EHRA in Werdau, Funkwerk Leipzig und Dresden sowie in etwas größerem Umfang in einigen Typen von Stern Radio Rochlitz finden sich OSW Röhren. Teilweise gab es auch abenteuerliche Mischungen mehrerer Röhrentypen. Aus der Not geboren wurde alles verwendet was zu beschaffen war.

OSW-Röhren-Vergleichsliste

Alle Röhren haben einen Oktalsockel!

6 AC 7 - OSW 2190 Die steile Hochfrequenzpentode ist speziell für Anfangsstufen von Breitband- und UKW-Verstärker entwickelt worden. Sie entspricht der deutschen EF 14. Beim Ersatz der EF 14 ist lediglich der Kathodenwiderstand von 300 Ohm auf 160 Ohm zu ändern.
6 AG 7 - OSW 2192 Es handelt sich um eine steile HF-Pentode für Endstufen von Breitband- und UKW-Verstärkern. Sie kann die EL 11 ersetzen, ihre Leistung ist jedoch etwas geringer.
6 SA 7 - OSW 3104 Diese Heptode ist eine regelbare Mischröhre. Da sie keine Oszillatoranode besitzt, ist Selbsteregung nur bei Rückkopplung über die Kathode möglich (Eco-Schaltung). Zur Vermeidung von Frequenzverwerfungen im Kurzwellenbereich ist es zweckmäßig, eine getrennte Oszillatorröhre, z.B. 6 J 5, zu benutzen. Eine ausgesprochene deutsche Vergleichstype gibt es nicht. Die Röhre kann jedoch bei entsprechender Schaltungsänderung als Ersatz für die EK 2, EK 3 oder ECH 11 benutzt werden.
6 J 5 - OSW 3112 Diese Triode wird in Verbindung mit der 6 SA 7 als Oszillatorröhre in Mischstufen verwendet. Wegen ihres geringen Innenwiderstandes ist sie besonders auch als Treiberröhre in Gegentakt-B-Verstärkern geeignet. Sie entspricht den deutschen Typen EC 2 oder EF 12 in Triodenschaltung.
6 SQ 7 - OSW 3105 Die Duodioden-Triode mit hohem Verstärkungsfaktor dient zur HF- und ZF-Gleichrichtung und Regelspannungserzeugung mit anschließender NF-Vorverstärkung. Sie entspricht im wesentlichen der deutschen Röhre EBC 11 und ist auch als Ersatz für die EBF 11 verwendbar, wobei allerdings auf die NF-Regelung verzichtet werden muß.
6 SK 7 - OSW 3111 Die Regelpentode findet als HF-, ZF- und NF-Verstärkerröhre Anwendung. Sie kann auch als Ersatz für die EF 11 und EF 13 verwendet werden.
6 E 5 - OSW 3110 Dies Abstimmanzeigeröhre mit einem Schattenwinkel von 0-90° kann als Ersatz für die EM 4 und die EF 11 dienen.
6 V 6 - OSW 3106 Diese Endpentode entspricht der EL 11. Beim Ersatz der EL 11 ist lediglich der Kathodenwiderstand zu ändern.
6 L 6 - OSW 3108 Die Endpentode entspricht der EL 12. Beim Ersatz der EL 12 ist lediglich der Kathodenwiderstand zu ändern.
6 H 6 - OSW 3109 Es handelt sich um eine Duodiode mit zwei getrennten Kathoden. Sie kann dadurch in Spitzensupern für die AFC oder ähnliche Spezialschaltungen verwendet werden. Sie erlaubt die Entnahme größerer Ströme als die deutsche Vergleichstype EB 11.
5 Z 4 - OSW 3107 Es handelt sich um eine Doppelweg-Netzgleichrichter-Röhre, ähnlich der EZ 12. Beim Austausch ist auf die niedrigere Heizspannung (5V) und den höheren Heizstrom (1,6A) zu achten.
OSW 2601 Es gibt auch eine OSW 2601. Sie hat ein schwarzes Stahlgehäuse (Gehäuse etwa 6cm hoch und 2,5cm Durchmesser) und ist eine indirekt geheizte Pentode mit Oktalsockel. Sie arbeitet in einem Röhrenradio als AM-ZF-Verstärker bei folgendem Arbeitspunkt:
Ua = 117 V,
Ia = 8 mA,
Ug2 = 90 V,
Ig2 = 3 mA,
Ug3 = 0,
Uk = 0,
Ug1 = Regelspannung,
Heizspannung = 6.3V~, Heizstrom nicht gemessen.
Die Anschlußbelegung entspricht exakt der einer 6AB7, also
1 - Schirm
2 - f
3 - g3
4 - g1
5 - k
6 - g2
7 - f
8 - a
In einem Radio der Marke Eigenbau wurde diese Röhre gefunden. Damit ist die Sollbestückung unbekannt (Notproduktion nach Kriegsende, Hersteller unbekannt), kann nicht entschieden werden, ob die OSW2601 auch in den Daten der 6AB7 entspricht. Ein Unterschied könnte die Regelbarkeit sein. Die 6AB7 ist nach Datenblatt regelbar. Bei der OSW2601 läßt sich dies nur über die Kennlinienaufnahme ermitteln. Das Radio spielt jedenfalls.
Vielen Dank für diesen Hinweis an Mathias Bethge

Weitere interessante Informationen zu diesen Röhren finden sich hier: www.radiomuseum.org/forum/osw_roehren_im_ueberblick.html.

nach oben SeitenanfangJürgen Tiedmann, Juergen Tiedmann