![]() |
|
|
Sender Königs WusterhausenRundfunksender
1911 wurden auf dem damaligen Windmühlenberg von Königs Wusterhausen durch ein Luftschiffer- und Telegraphenbataillon mit mobilen Lichtbogensendern funktechnische Versuche durchgeführt. Der Erfolg dieser Versuche war Grund dafür an dieser Stelle eine feste Militärfunkstation zu errichten.
1913 begannen dafür die Arbeiten. Am 15.06.1915 ging der Sender Königs Wusterhausen auf dem Funkerberg als eine der ersten Sendeeinrichtungen in Deutschland als Militärfunkstelle mit 4 Lichtbogensendern und Empfangseinrichtungen in Betrieb. Die Funkstation erhielt das Rufzeichen "LP" nach dem ersten Stationsführer Major von Leppel, der bereits vorher von Königs Wusterhausen aus Funkversuche durchführte. Während des 1. Weltkrieges wurden mit einem Lichtbogensender Heeresberichte durch die deutsche Militärverwaltung übertragen. Es gab Funkverbindungen zu den sogenannten Festungsfunkstellen in Metz, Straßburg, Köln und Graudenz. Über diese Festungsfunkstellen wurde die Verbindung zu den Luftschiffen und Aufklärungsagenten aufrecht gehalten. Von hier hörte man auch den gegnerischen Funkverkehr ab, warnte bei Luftangriffen und unterstützte den Feldfunkverkehr. Neben diesen militärischen Aufgaben wurden von der Sendestelle Königs Wusterhausen aber auch Telegramme auf der Grundlage des Morsealphabetes ins Ausland versandt. Im April 1917 wurden erste Versuche zur Übertragung von Sprache und Musik durchgeführt. Hieran beteiligt waren der Physikers Alexander Meißner und der Ingenieurs Hans Bredow. Es folgte jedoch ein Befehl durch die damaligen militärischen Vorgesetzten "diesen Unfug zu unterbinden". Nach Beendigung des 1. Weltkrieges übernahm die Deutsche Reichspost die ehemalige Militärfunkstation. Unter Leitung von (inzwischen) Staatssekretär Hans Bredow begann die Umrüstung der Sendeanlagen. So wurden Röhrensender aufgebaut, die Empfangsanlagen nach Berlin-Zehlendorf verlegt und die Antennenanlage um zwei weitere 100-Meter-Masten ergänzt. Die Sender wurden jetzt vom Haupttelegraphenamt Berlin ferngetastet.
Ab 1920 fanden vom Sender Königs Wusterhausen erstmals reguläre Übertragungen von Tonaussendungen statt, zum Teil mit regelmäßigen Abendkonzerten. Es wurden Versuche zur Rundfunkübertragung mit Hilfe eines Lorenz-Lichtbogensenders aus Heeresbeständen unternommen. Dieser bekam eine Modulationseinrichtung. Für die Sprachaufnahmen wurden Kohlekörnermikrofone vom Telefon verwendet. Zur Schallplattenübertragung stellte man das Mikrofon vor den Trichter des Grammophons. Begonnen wurde mit Instrumentalmusik. Die Techniker der Hauptfunkstelle griffen zu Geige, Harmonium, Cello und Klarinette. Ein Zusammenspiel aller Instrumente klappte wegen der damals unbekannten akustischen Kopplung noch nicht. Am 22.12.1920 wurde erstmals ein Weihnachtskonzert mit Instrumentalmusik und Gesang ausgestrahlt. Die Postbeamten sangen Weihnachtslieder. Von behördlichen Empfangsstationen aus Deutschland und von privaten Rundfunkhörern aus dem Ausland kamen begeisterte Zuschriften. Aus Deutschland kamen von privaten Rundfunkhörern keine Empfangsbestätigungen, privater Rundfunkempfang war noch bis 1923 offiziell verboten und auf "Schwarzhören" standen hohe Strafen. Bis zum 24. Januar 1926 wurden aus dem Senderaum der Hauptfunkstelle jeden Sonntag 11.00 Uhr ... 13.00 Uhr Sonntagskonzerte in Königs Wusterhausen produziert und gesendet. Am 08.06.1921 erfolgte durch die C. Lorenz AG eine Rundfunkübertragung aus der Staatsoper Berlin. Gesendet wurde die Oper "Madame Butterfly". Jetzt hatte die Hauptfunkstelle einen Durchbruch in ihren Bemühungen der Funkübertragung erzielt. Im November 1921 ging man dazu über, die Telefoniesender von Königs Wusterhausen über Fernleitungen zu modulieren. Anfang 1922 waren Telefongespräche von Berliner Anschlüssen über Funk möglich.
Weihnachten 1922, beim Weihnachtskonzert, verwendeten die Techniker Telefonhörer als Mikrofone. Der Klang verbesserte sich dadurch sehr. Dies war der Anfang des dynamischen Mikrofons.
1923 verbesserte man die Schallplattenübertragungen in dem ein Telefonhörer mit einer Grammophonnadel an der Membrane zur direkten Abtastung der Schallplatte genutzt wurde. Die Schallplattenübertragungen wurden dadurch viel besser. Im Juli 1923 beginnen regelmäßige Sonntagskonzerte über den Sender Königs Wusterhausen. Die Konzerte, jeweils von 11 bis 13 Uhr, finden in ganz Europa begeisterte Zuhörer. Erst am 24. Januar 1926 werden die Versuchssendungen eingestellt. Am 25.12.1923 wurde das Programm "Funkstunde" des Voxhauses aus Berlin von Königs Wusterhausen als Relais ausgestrahlt. 1925 wurden der 243 Meter hohe Mittelturm (im Volksmund "der Dicke"), ein freistehender Stahlfachwerkturm und abgespannte Stahlrohrmaste, davon 2 mit einer Höhe von 100 m, 5 mit einer Höhe von 150 m und 6 mit einer Höhe von 210 Meter, erbaut. Ursprünglich war vorgesehen auf dem Mittelturm zusätzlich einen Vertikalstrahler aufzusetzen. Dies scheiterte aber letztlich an den Nachkriegsauflagen. Deutschland war es im Gefolge des ersten Weltkrieges u. a. untersagt, Gebäude zu errichten, die die Höhe des Eiffelturmes übertroffen hätten. Und dies wäre dann der Fall gewesen.
In der Zeit von 01.09.1926 bis Ende 1927 führte das "Telegraphische Reichsamt" Kurzwellen-Versuchssendungen in Königs-Wusterhausen durch. Zum Einsatz gelangt ein 250 W-Telefunken-Sender. 1926 wurde das Sendehaus 3 fertig gestellt (Haus 1 bis 3 befanden sich in Königs Wusterhausen, später Haus 4 bis 6 in Zeesen). Von hier und der neuen Antennenanlage ging der "Deutschlandsender" mit einem 20-kW-Langwellensender in Betrieb. Dieses Programm wurde bis zu 21.12. 1927 von Königs Wusterhausen gesendet. Der Platz reichte für die weitere technische Entwicklung am Standort Funkerberg nicht mehr aus. Ende 1926 wurde aus diesem Grund mit dem Bau einer neuen großen Funkstation in Zeesen begonnen. Dort entstanden weitere Anlagen, wie der Deutschlandsender II und ein Kurzwellensender. Der "Deutschlandsender" sendete ab dem 22.12.1927 vom 120-kW-Sender im Haus 4 in Zeesen (siehe dort). Am 20.11.1928 führt die deutsche Reichspost probeweise erste Bildfunkübertragungen über ihren Sender Königs Wusterhausen mit Hilfe eines Fultographen durch. Sie testet damit eine Vorstufe in der deutschen Geschichte des Fernsehens.
Die Sendeanlagen auf dem Funkerberg überstanden den 2.Weltkrieg fast völlig unversehrt. Große Teile der Sendeanlagen wurden für Reparationsleistungen demontiert. Allerdings wurden auf dem Funkerberg auch einige neue Sender installiert. Im Juni 1945 ging ein 20 kW-Kurzwellensender für militärische Zwecke in Betrieb. Ab November 1945 wurde über einen weiteren Kurzwellensender der "Berliner Rundfunks" ausgestrahlt. Ab Dezember 1945 wurde der "Berliner Rundfunk" zusätzlich über einen Langwellensender im Haus 3 abgestrahlt. Am 26.08.1946 ging ein weiterer Langwellensender (100 kW) im Haus 3 in Betrieb. Dieser übernahm (wieder vom Standort Königs Wusterhausen) die Ausstrahlung des "Deutschlandsenders" da die Sendeanlagen Zeesen ebenfalls unter Reparation fielen. Er diente noch bis 1992 als so genannter Wartungssender als Reserve für den Sender Zehlendorf für das Programm "Deutschlandradio Berlin". Am 16.12. 1948 wurden die Antennenanlagen des Senders Berlin-Tegel durch die französische Militäradministration gesprengt. Damit war der "Berliner Rundfunk" ohne funktionsfähige Mittelwellen-Sendeanlage. In drei Tagen wurde von Spezialisten mit Unterstützung und Mitarbeit von Ingenieuren der sowjetischen Besatzungsmacht die, heute als "Sender 21" bezeichnete, Sendeanlage in Tegel demontiert und in das dafür umgerüstete Sendehaus 2 des damaligen Funkamtes Königs Wusterhausen eingebaut. Der Einbau der Tegeler Anlage an ihrem neuen Platz vollzog sich innerhalb von dreieinhalb Monate. Daran arbeiteten zeitweise bis zu 350 Menschen unter Leitung des sowjetischen Ingenieurs Oberstleutnant Panasjuk.
Am 20.03.1949 konnte die neue Sendeanlage für den "Berliner Rundfunk" den Sendebetrieb wieder aufnehmen. Der 100 kW-Telefunken- "Sender 21" war noch bis 1989 in Betrieb. Am 07.10.1949 wurde über den Mittelwellensender 21 die Nachricht von der Gründung der DDR in "alle" Welt gesendet. Zur Erhöhung der Betriebssicherheit wurde der Sender später teilweise modernisiert. Am 15.11.1972 stürzte der Mittelturm, der mit den 210 m Sendemasten eine T-Antenne trug, bei einem Orkan ein. Nach 1990 wurde der Sendebetrieb zurückgefahren und im Sommer 1995 endgültig eingestellt. 1994 wurde noch ein 67 m hoher neuer Sendeturm errichtet welcher für Mobilfunkzwecke benutzt wird.
Quellen: Wikipedia • www.senzig-info.de • http://www.janbalzer.de • http://www.funkerberg.de
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||