Löschfunkensender 1911 erstmaliger Funkkontakt mit Togo
27.03.1905
???
Maschinensender
1924 bis ???
KW
???
kHz
800 W
Telegraphie
1933 bis 1945
LW
???
kHz
Längstwellensender zur Übermittlung von Befehlen an getauchte U-Boote
1955 bis ???
KW
???
kHz
vorwiegend für diplomatische Kontakte
1958 bis ???
KW
???
kHz
Radio Berlin International
Auslandsrundfunk
1958 bis ???
KW
???
kHz
Deutscher demokratischer Rundfunk
Auslandsrundfunk
Die Großfunkstelle Nauen ist die älteste Sendeanlage der Welt.
Am 9. August 1906 wurde der Probebetrieb und am 16. August 1906 der operative Betrieb als Versuchsstation von Telefunken aufgenommen.
Kaiser Wilhelm II bei einer Besichtigung der Großstation Nauen am 7.11.1906
Als Sendemast diente ein
100 Meter hoher, gegen Erde
isolierter Stahlfachwerkmast,
der eine Schirmantenne trug.
Antennengebilde 1906-1909
Als Sender wurden Knallfunkensender verwendet. Knallfunken-Sendeanlage 1906-1909
Da die Station über keinen
Stromanschluss verfügte, wurde
im Sendergebäude, einem leichten Fachwerkhaus, ein Lokomobil mit
einer Leistung von 35 PS aufgestellt, welches einen 50 Hz
Wechselstromgenerator mit 24 kVA Leistung antrieb.
Nauen sendete und
empfing u.a. Telegramme. Empfängertisch 1906-1909
1909 wurden ein Löschfunkensender installiert. Mit ihnen konnten Reichweiten von 5.000 Kilometern erzielt werden. Korrespondierenden Stationen in den USA waren Sayville auf Long Island bei New York, Marion, Annapolis und Longbeach. Weitere Funkkontakte bestanden mit Cartagena (Kolumbien), Java, Japan und Mexiko.
Antennengebilde 1909-1911
In Geltow bei Potsdam wurde eine Empfangs-Station gebaut (30 km von Nauen entfernt). Hier störten die starken Sende-Signale nicht den Funkempfang.
Empfangsanlage mit Rahmenantenne in Geltow
Empfangsstation bei Geltow • Bild: Rainer Steinführ
Schema der Empfangsanlage in Geltow
Am 07.06.1911 gelang deutschen Funkern in der Kolonie Togoland
eine drahtlose Verbindung mit der Großfunkstelle Nauen (über 5.000 km).
Die Versuche führen zum Bau der Funkstation Kamina.
Empfangs-Versuchsanlage in Togo
Im gleichen Jahr wurde auch der Antennenmast auf 200 Meter Höhe aufgestockt. Allerdings wurde dieser Mast durch einen Sturm am 31. März 1912 zerstört.
Er wurde durch eine Antenne ersetzt, die zwischen zwei 120 Meter hohen Masten gespannt war. Ende 1912 wurde diese wiederum durch eine von 5 Masten getragene L-Antenne mit V-förmigen Grundriss ersetzt.
Antennengebilde 1911-1916
1913 liefert TELEFUNKEN eine 500 kW-Hochfrequenzmaschine nach Nauen. Diese arbeitete mit Frequenzverdopplung nach dem System Arco.
Schema des Senders Nauen mit Hochfrequenzgenerator
Am 10. Februar 1914 wurde eine 1.037 Meter lange, von einem 260 Meter hohen und zwei je 120 Meter hohen Masten getragenen L-Antenne installiert. Zeitgleich erhielt die Station ein neues Sendergebäude.
Mit Beginn des Ersten Weltkriegs unterstand die Station der Kaiserlichen Admiralität und bekam eine große Bedeutung, denn die nach Deutschland führenden Überseekabel waren von den gegnerischen Staaten unterbrochen worden. Von Nauen erreichte die Nachricht vom Kriegsausbruch die deutschen Kolonien, die wiederum zahlreiche deutsche Handelsschiffe warnten.
1916 erfolgte auf Drängen von Hans Bredow (damaliger Telefunken-Direktor und späterer Reichsrundfunk-Kommissar) der Ausbau der Station. So wurde die Antennenanlage enorm vergrößert und weitere Hochfrequenzmaschinensender aufgestellt.
Antennengebilde 1916-1919
Am 5. Januar 1917 beginnt die regelmäßige Ausstrahlung des Zeitzeichens.
Am 26.01.1918 wurde in Berlin wird die "Drahtlose Übersee-Verkehrs AG" (Transradio Nauen) mit Sende- und Empfangsanlagen in Nauen und Geltow gegründet. Sie ist eine Tochtergesellschaft von "Telefunken".
Von 1918 bis 1931 gehörte die Anlage zur Transradio AG.
Ansicht der Großstation Nauen um 1918
Stationshaus August 1918
1920 bekam die, bis dato fertiggestellte Hauptantenne, der Station, welche von zwei 260 und von vier 125 Meter hohen Masten getragen wurden, beachtliche Ausmaße: sie erstreckte sich über eine Länge von 2.484 Metern.
Die Antennenanlagen
Die B-Antenne vom Dach des Stationsgebäudes gesehen
Im rechten Winkel zu dieser gab es noch eine kleinere Antenne, die von drei Masten getragen wurde, von denen einer wie ein Freileitungsmast aussah. Außerdem wurde 1920 das von Hermann Muthesius gestaltete neue Sendegebäude, der charakteristische Muthesiusbau, errichtet.
Bild: Rainer Steinführ
Am 29. September 1920 wurde die modernisierte Sendestelle durch Reichspräsident Friedrich Ebert eingeweiht. Dazu erschihn eine Festschrift und ein Führer durch die Station.
1923 wurde in Nauen der letzte Maschinensender aufgestellt.
Ab 1924 wurden Kurzwellensender installiert.
Antennenanlagen der Großfunkstelle 1930
Bild: Bundesarchiv, Bild 102-09548 / CC-BY-SA
Die Großfunkstelle im Januar 1931, im Hintergrund der Muthesiusbau
Bild: Bundesarchiv, Bild 102-10977 / unbekannt / CC-BY-SA
Am 1. Januar 1932 übernahm die Deutsche Reichspost die Station. Obwohl in den 1930er Jahren schon längst Röhrensender Stand der Technik waren, wurden die Maschinensender 1937 noch modernisiert.
Hörproben 1933:
Anhören:
Achtung, Achtung, hier Phono-Nauen! 1. Teil
Achtung, Achtung, hier Phono-Nauen! 2. Teil
Am 29.09.1938 wird der repräsentative Erweiterungsbau der Großfunkstation von "Transradio Nauen" seiner Bestimmung übergeben.
Im Zweiten Weltkrieg dienten die Längstwellensender der Station hauptsächlich zur Übermittlung von Befehlen an getauchte U-Boote.
Ab Ende Mai 1945 erfolgte die Demontage der Sendeanlagen durch die sowjetischen Besatzungsmächte. Die Station hatte den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet überstanden, alle technischen Einrichtungen wurden abgebaut und die Masten gesprengt.
Bis 1955 herrschte Funkstille in Nauen und das Gebäude wurde als Kartoffellager genutzt. 1955 begann man in Nauen mit dem Aufbau von Kurzwellensendern, erst für diplomatische Kontakte, ab 1958 auch für den Auslandsrundfunk. Als Sendeantennen wurden zunächst 39 Rhombusantennen errichtet.
In den 1960er Jahren errichtete man am Dechtower Deich eine der ersten drehbaren Kurzwellenantennen. Die noch heute existierende Antenne hat eine Höhe von 70 Metern. Sie verfügt über zwei Antennenfelder von 40 und 70 Tonnen Masse.
Drehstandantenne • Bild: Wikipedia (Hihiman)
1972 wurde in der Nähe dieser Antenne eine Kurzwellenvorhangantenne errichtet und weitere Sender in Betrieb genommen.
Nach der deutschen Wiedervereinigung ging die Anlage in Nauen an die Deutsche Bundespost über. Es wurden alle Sender und Antennen, die nicht dem Kurzwellenrundfunk dienten, abgeschaltet und demontiert.