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Sender Zeesen

Rundfunksender

Sendestation / Ort Zeit Band Frequenz Meter Programm Leistung Bemerkungen
Zeesen
"Weltrundfunksender"
"Weltrundfunk Kurzwellensender"
"Olympiasender"
22.12.1927
bis
1939
LW 240,0 kHz   Deutschlandsender 120 kW Inbetriebnahme, Übernahme vom Sender Königs-Wusterhausen

Frequenzumstellung
13.10.1928
bis
15.01.1934
LW 183,5 kHz   Deutschlandsender  

Frequenzumstellung
15.01.1934
bis
1939
LW 191,0 kHz 1571,0 Deutschlandsender 60 kW
(150 kW)


Verlegung der Rundfunkausstrahlung nach Herzberg/Elster, nur noch Reservesender
26.08.1929
bis ???
KW 6.002,0 kHz     5 kW
8 kW
 
26.08.1929
bis ???
KW 9.560,0 kHz     5 kW
8 kW
 
1939
bis
04.1945
KW   kHz   Voice of Free Arabism (VFA)   in arabischer Sprache
1939
bis
04.1945
KW   kHz   Radio Berlin   in arabischer Sprache

Von der Reichspost wurde das Gelände des luftfahrttechnischen Unternehmens Schütte-Lanz (Luftschiffbau und Flugplatz) in Zeesen erworben.

Am 20.12.1927 erfolgte die Einweihung des Senders Zeesen. Gesendet wurde auf Langwelle über eine T-Antenne, die an zwei 210 m hohen abgespannten Stahlfachwerkmasten aufgehängt war.

Am 26.08.1929 wurde offiziell der Kurzwellensender eröffnet. Aufgrund seiner, für damalige Verhältnisse großen, Reichweite wurde ihm jetzt der Name "Weltrundfunksender" bzw. "Weltrundfunk Kurzwellensender" gegeben. Bis 1945 war der Sender ein Standort der leistungsfähigsten Kurzwellenrundfunksender in dieser Zeit, wobei erstmals "Tannenbaumantennen" eingesetzt wurden. Den ersten KW-Sender errichtete Telefunken im Haus 4 (Haus 1 bis 3 befanden sich in Königs Wusterhausen). Der Sender war siebenstufig aufgebaut und bestand aus dem Quarzoszillator, gefolgt von Verstärker- und Vervielfacher-Stufen. Die Endstufe enthielt bei der 5 kW Ausführung eine RS 225, bei der 8 kW Ausführung zwei RS 225. Sie wurden mit einer Anodenspannung von 10 kV betrieben. Die Modulation erfolgte in der Treiberstufe. Das Antennenteil war für den Frequenzbereich von 3 bis 20 MHz ausgelegt und diente zur Anpassung der bescheidenen, 75 m langen Eindraht-Vertikalantenne, die zu einem der beiden 210-m-Masten für den Deutschlandsender führte.


Bild: www.radio-museum.deSenderhaus 4 und Richtstrahler • Bild: FV Sender Königs Wusterhausen e.V.

1930 wurde die Antennenanlage verbessert. Ein 70 m hoher Sendeturm aus Holz wurde errichtet. Er ergänzte den vertikalen Drahtstrahler. Vierfach gestockte Dipole in vier Richtungen wurden um den Turm herum angebracht. Durch diese Dipolkombination erreichte man einen günstigen vertikalen Öffnungswinkel sowie einen Erhebungswinkel von 10°. Der Antennengewinn soll 9 dB betragen haben.

Im Januar 1932 wurde die erste Richtantenne für Nordamerika in Betrieb genommen. Diese erzielte eine horizontale Bündelung von 30°. Der Leistungsgewinn betrug knappe 17 dB. Sie bestand aus einer Gruppe von 24 Dipolen plus Reflektoren. Bis zum Jahr 1934 wurden zehn derartige Richtantennen an elf Stahlgittertürmen von je 70 in Höhe angebracht. Sie versorgten die Gebiete Nord-, Mittel- und Südamerika, Ostasien und Afrika im Frequenzbereich von 6 bis 17 MHz.

Im gleichen Jahr kam noch ein zweiter quarzgesteuerter Sender mit 5 kW hinzu. Er war achtstufig konstruiert, verwendete zwei Röhren RS 255 und war wie Sender 1 gittergleichstrommoduliert.

1935 nahm ein weiterer KW-Sender des Typs "Nauen" (Leistung 50 kW) mit einer Telefonieleistung von 12 kW seinen Betrieb auf. Dieser Sender arbeitete in der Endstufe mit zwei, im Gegentakt geschalteten, RS 257, einer Weiterentwicklung der bisher verwendeten RS 225. Als Besonderheit wies er eine Doppelausstattung mit Schwingkreisen (Variometer) auf, die bei Frequenzwechsel umgestimmt werden mussten. Die Umschaltung zwischen Tag- und Nachtfrequenzen, sowie andere für die jeweils günstigste Ausbreitung geeignete Frequenzwechsel, erfolgten auf der Grundlage von Prognosen des Reichspostzentralamtes.

1936 erfolgte, in Vorbereitung der Olympischen Spiele ein weiterer Ausbau der Sendestation. Die Sendehäuser 5 und 6 wurden gebaut. Sie bestanden u. a. aus einem 500 m² großem Sendersaal, in dem vier Telefunken- und Lorenz-Sender mit 40 kW Leistung Platz fanden. Diese trugen die bekannte Bezeichnung "Olympia Sender". Eine Kombination von Parallel- und Gegentaktschaltung von vier Senderöhren des Typs RS 257 ermöglichte die hohe Sendeleistung, die man später noch auf 50 kW erhöhte. Außerdem wurde die Anoden-B-Modulation angewandt. Die Sender waren siebenstufig aufgebaut und gestatteten Quarz- und VFO-Betrieb.


Bilder: www.radio-museum.de

     Richtstrahlantennen des Deutschen Kurzwellensenders Zeesen 1936 • Bild: alte QSL-Karte

     Telefunken-Olympia-Senderhaus in Zeesen • Bild: FV Sender Königs Wusterhausen e.V.

Die Antennenanlagen wurden weiter ausgebaut. Es kamen weitere 13 Stahlgittertürme mit einer Höhe von je 100 m hinzu. Dadurch war es möglich, eine noch stärkere vertikale Bündelung durch achtfache Dipolstockung zu erreichen.

Während der ersten Kriegsjahre errichtete man in Zeesen Rhombusantennen. Diese zeichneten sich durch eine relativ große Frequenzbandbreite und gute Abstrahlungsbündelung aus.

1939 installierte man auf einem der 70-m-Türme des Antennensterns 1 einen ausfahrbaren Vertikalstrahler mit Selbstabstimmung, der durch Längenveränderung die Abstrahlung über einen großen Frequenzbereich, von 5 bis 30 MHz, ermöglichte. Eine, für damalige Verhältnisse, spektakuläre technische Entwicklung im Antennenbau. Diese Antenne erhielt in Insiderkreisen die Bezeichnung "Papstfinger", da zuvor eine derartige Konstruktion bei Radio Vatikan errichtet worden war.

In den letzten Kriegsjahren wurde noch das Haus 7 gebaut. Dieses beherbergte eine Netzersatzanlage mit zwei 2100 PS starken Dieselmotoren, die Generatoren mit einer Leistung von 1100 Kilowatt bei 6 Kilovolt antrieben.

     Bild: www.radio-museum.de

In seiner letzten Ausbaustufe bestand der "Weltrundfunksender Zeesen" aus folgenden Anlagen: neun 50-kW-Kurzwellensender, ein 12-kW-Kurzwellensender, ein Langwellensender mit zwei 210-m-Masten, 24 Dipolwänden an elf 70-m- und dreizehn 100-m-Türmen, dem Vertikalstrahler "Papstfinger", dem 70-m-Holzturm mit Rundstrahler und vier Rhombusantennen. Weiterhin bestanden drei Senderhäuser, ein Dieselhaus und ein Netzumspannwerk.

Am 26. April 1945 stellte der "Weltrundfunksender Zeesen" seine Sendungen ein. Durch das Bedienungspersonal wurden wichtige Einzelteile entfernt. Die Anlagen blieben unbeschädigt.

Die Sendemasten und Sender wurden 1945 von der Roten Armee demontiert, die Funkhäuser gesprengt.

Nach Gründung der DDR nahm auf einem Teil des ehemaligen Sendegeländes eine militärische KW-Sendefunkstelle ihren Betrieb auf.

Die Geschichte des Senders Zeesen wird durch die Mitarbeiter des Fördervereins "Sender KW" e.V. liebevoll erhalten. Auf dem Gelände des Senders Königs Wusterhausen, Haus 1, befindet sich heute das "Sender- und Funktechnikmuseum", wo dieser Sender ebenfalls eine große Rolle spielt.


Quellen: Wikipedia • www.radio-museum.de/sender-zeesen.phpwww.funkerberg.de

nach oben Seitenanfang Letzte Änderung dieser Seite: 08.01.2012